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Die Art, wie wir reisen, entscheidet mit darüber, wer vom Tourismus profitiert – und wer verliert. In vielen Destinationen fließt ein großer Teil der Einnahmen an internationale Ketten und Anbieter, während Menschen vor Ort kaum mitbestimmen – und kaum mitverdienen. Die Folgen spürt man: steigende Lebenshaltungskosten für Einheimische, kulturelle Entfremdung, Druck auf Natur- und Lebensräume.

Es geht auch anders. Community-based Tourismus (CBT) ist ein klarer Gegenentwurf: Hier gestalten die Gemeinschaften vor Ort den Tourismus selbst: Sie legen fest, wie viele Gäste kommen, welche Aktivitäten sinnvoll sind, wie Einnahmen verteilt werden – und wofür sie der Gemeinschaft nützen. Für Reisende heißt das: näher dran, ehrlicher, ruhiger. Für die Gastgebenden mehr Teilhabe und verlässliche Einkommen – ohne die eigene Lebensweise zur Show zu machen.

In diesem Artikel kläre ich kurz und verständlich, was CBT ist und warum es eine faire Alternative zum Massentourismus bietet. Danach zeige ich, wo das bereits gut funktioniert und stelle dir zwei konkrete Orte aus meinen eigenen Reisen vor. 

CBT ist Tourismus, der dort geplant und betrieben wird, wo er stattfindet: in Dörfern, Stadtvierteln und Landschaften der Gastgebenden. Die Gemeinschaft entscheidet über Angebote, Regeln und Preise, trägt Verantwortung für Qualität und nutzt einen Teil der Einnahmen für Projekte, die allen zugutekommen (z. B. Wasserstellen, Infrastruktur, Schulmaterial). Wichtig ist auch, was CBT nicht ist: keine Bühne für Kulturinszenierungen, keine Wachstumslogik um jeden Preis.

Die UNWTO (UN World Tourism Organization) definiert Community-based Tourismus so: „Eine Form der Tourismusentwicklung, bei der die lokale Gemeinschaft im Mittelpunkt der Planung, Entwicklung und Verwaltung des Tourismus steht. CBT zielt darauf ab, die
Lebensqualität der Einwohner zu verbessern, indem lokale wirtschaftliche Vorteile optimiert, die natürliche und
kulturelle Umwelt geschützt und den Besuchern hochwertige Erlebnisse geboten werden.“ 1

Was ist Community-based Tourismus

Bild links: © Privat Isabel Gruß | Bild rechts: © Privat Isabel Gruß

Warum CBT eine faire Alternative ist – die drei Säulen 

1) Wirtschaft: Geld, das im Ort bleibt 

Der Tourismus ist ein riesiger Wirtschaftsfaktor, doch in vielen Ländern landet das meiste Geld in den Händen weniger großer Unternehmen. Der Unterschied zeigt sich besonders in Ländern, in denen der Tourismus die Hauptwirtschaftsquelle ist.

In Sansibar zum Beispiel macht der Tourismus 27 Prozent des BIP (Bruttoinlandsprodukt / GDP) aus. Viele Menschen arbeiten in diesem Feld. Gleichzeitig fließt ein großer Anteilen der Tourismuseinnahmen an internationale Unternehmen – Hotels, große Reiseveranstalter, Kreuzfahrtschiffe. Die lokale Bevölkerung profitiert kaum, die Armutsrate sinkt nicht wirklich. 2

Community-based Tourismus verkürzt die Wege des Geldes. Was ich für Übernachtung, Essen, Guiding oder Transport zahle, geht an die Menschen, die mich beherbergen, bekochen, führen oder ein Boot besitzen. So entstehen zusätzliche Einkommen im Dorf, Aufträge für Handwerk und Landwirtschaft sowie ein Polster für kleine Investitionen (z. B. Reparaturen, Material, gemeinsamer Fonds). Gleichzeitig sinkt die Abhängigkeit von weit entfernten Jobs in touristischen Zentren.

Community-Based Tourismus sorgt dafür, dass:

  • Kleinere Unternehmen & Start-ups profitieren
  • Arbeitsplätze geschaffen werden – nicht nur im Service, sondern auch im Handwerk, Transport & Landwirtschaft
  • Menschen in den Gemeinschaften eine nachhaltige Einkommensquelle haben – unabhängig vom Massentourismus
  • Infrastruktur, Schulen & soziale Projekte mitfinanziert werden
Die 3 Säulen von Community-based Tourismus

Bild links: © Privat Isabel Gruß | Bild rechts: © Privat Isabel Gruß

2) Umwelt- und Naturschutz

Wusstest du, dass die Natur in vielen Orten unter dem Massentourismus leidet? Ein Beispiel: Maya Bay in Thailand wurde jahrelang von Tourist*innen überrannt – das Korallenriff kollabierte, der Strand wurde unbewohnbar. Erst nach einer dreijährigen Sperrung konnte sich die Natur erholen. 3, 4 & 5

Community-based Tourismus bedeutet oft: weniger Ressourcenverbrauch, mehr Nachhaltigkeit. Community-Based Tourismus findet meistens in ländlichen Regionen, etwas abseits der üblichen Touristenpfade, statt. So wird der Tourismus mehr auf das ganze Land verteilt, statt einzelne Hotspots zu überlasten. 

CBT-Angebote sind in der Regel kleinräumig und ressourcenschonend – zu Fuß, per Boot, mit dem Rad, in überschaubaren Gruppen. Wenn Mangroven, Reisfelder, Wälder oder Karstlandschaften die Basis eines Einkommens sind, wächst die Motivation, sie zu pflegen: Wege werden erhalten, sensible Zonen geschützt, Regeln gemeinsam kommuniziert. Natur ist nicht Kulisse, sondern Existenzgrundlage.

Säule 2 von Community-based Tourismus

Bild links: © Privat Isabel Gruß | Bild Mitte: © Unternehmen Andaman Discoveries | Bild rechts: © Privat Isabel Gruß

3) Kultur & Miteinander: Alltag statt Aufführung

Community-based Tourismus bedeutet gelebte Kultur: Kochen in der Familienküche, Handwerk am Hof, Feldarbeit, Dorfroutinen. Die Gemeinschaft entscheidet, was geteilt wird und was privat bleibt.

Es geht nicht um inszenierte Tanz-Shows. Daraus entstehen Begegnungen auf Augenhöhe – Fragen stellen, zuhören, mitmachen. Das stärkt Respekt und Verständnis auf beiden Seiten und hinterlässt Erinnerungen, die über das Foto am Hotspot hinausgehen.

Warum sind diese Begegnungen so besonders und wertvoll? Weil sie echt sind. Ein Gespräch mit einem Dorfbewohner, gemeinsames Kochen oder eine spontane Einladung zu einem lokalen Fest – das sind Begegnungen und Erfahrungen, die tiefer gehen als jede Sightseeing-Tour. Du erlebst die Kultur aus der Perspektive der Menschen, die sie leben. 

Säule 3 von Community based Tourismus

Bild links: © Unternehmen Andaman Discoveries | Bild rechts: © Unternehmen Andaman Discoveries

Community-based Tourismus – Zwei Beispiele, wo es bereits gut funktioniert

In Thailand arbeiten viele Dörfer mit klaren Dorfregeln und Qualitätsstandards. In Indien – besonders in Kerala – sind Dorferlebnisse mit Frauenkooperativen und Landwirtschaft verzahnt. Indonesien fördert sogenannte „Desa Wisata“, Tourismusdörfer, die Angebote schrittweise aufbauen. Nepal ist Homestay*-Pionier mit Dorfrouten, Gastgeberregeln und saisonaler Lenkung. Gemeinsam ist all dem: kleine Einheiten, transparente Verteilung, klare Grenzen.

* Zusatzinfo: Ein Homestay ist eine Möglichkeit, bei einer einheimischen Familie zu wohnen und so den Alltag, die Kultur und das Lebensumfeld der Menschen vor Ort hautnah kennenzulernen. Dabei mietet man meist ein Zimmer im Zuhause der Gastgeber und nimmt am Familienleben teil.

Aus meinen eigenen Reisen stelle ich dir jetzt zwei Orte vor, die zeigen, wie sich CBT im Alltag anfühlt – und warum es trägt.

Beispiel 1: Muungoni Village (Sansibar)

Die Ausgangslage auf Sansibar

Wenn wir „Sansibar“ googeln, bekommen wir Bilder von puderweißen Stränden, schaukelnden Palmblättern und luxuriösen Resorts am türkisblauen Meer. Und ja, diese Orte gibt es wirklich. Aber sie sind nur ein Teil der Geschichte.

Sansibar ist mehr als ein Instagram-Hotspot. Der Tourismus konzentriert sich stark auf die Küste. Viele Resorts gehören externen Betreibern; ein großer Teil der Ausgaben fließt an Lieferketten außerhalb der Dörfer zurück. Für Einheimische bedeutet das häufig: Jobs weit weg vom Zuhause, wenig Mitbestimmung und spürbar steigende Lebenshaltungskosten in Strandregionen.

Was Muungoni anders macht

Muungoni liegt im Süden von Unguja zwischen Hauptinsel und Uzi. Umgeben von dichten Mangrovenwäldern und fernab der touristischen Zentren wie Paje oder Nungwi, liegt es gut versteckt im Dschungel. Perfekt also für alle, die das authentische Sansibar kennenlernen wollen.

Hier wird Einkommen innerhalb der Dorfgemeinschaft verteilt: Familien kochen für Gäste, Frauen verkaufen Handwerk und zeigen Techniken, lokale Guides führen durch Dorf und Mangroven, Bootsbauer und Fahrer verdienen an den Touren. Ein Teil der Einnahmen fließt in Dinge, die das Dorf konkret braucht – etwa Schulbedarf oder die Instandhaltung gemeinsamer Gebäude.

Bild: © Privat Isabel Gruß 

Was dich erwartet – Dorf-und Mongroventour

Ramadan ist ein lokaler Guide aus dem Dorf. Er nahm mich in seiner Familie auf und begleitete mich über mehrere Tage durch das Dorf, die Mongroven und den Dschungel. Er erklärte mir, wie die traditionellen Lehmhäuser mit Palmwedeln und Korallenstein gebaut werden.

Wir besuchten eine Dorfbewohnerin, die mir Khanga-Kleider zeigte. Je nach Anlass tragen die Frauen unterschiedliche Farben und Muster – für Hochzeiten, Beerdigungen oder das tägliche Leben. Ich durfte selbst ein paar anprobieren. Auf der Tour kamen wir noch mit zwei weiteren Frauen in Kontakt, die mir zeigten, wie die Kokos Palmwedeln verarbeitet werden und das Essen im Dorf traditionell zubereitet wird

Bild links: © Privat Isabel Gruß | Bild rechts: © Privat Isabel Gruß

Nach dem Dorfrundgang ging es tiefer in den Dschungel. Ramadan erklärte die Heilpflanzen am Wegesrand, die von lokalen Heilern verwendet werden. Schließlich erreichten wir die Mangroven – ein ökologisch unglaublich wertvolles Gebiet.

Im Sonnenuntergang stiegen wir in ein traditionelles Holzkanu und paddelten durch die verwobenen Wasserwege. Ramadan reichte mir eine frische Kokosnuss. Ein Moment, der mir in Erinnerung bleibt.

Zurück im Haus, hatte Ramadans Frau bereits das Abendessen vorbereitet. Wir saßen alle auf dem Boden und genossen ein traditionelles Swahili-Menü – Fisch, Kochbananen, Reis, frisches Gemüse. Es gab keinen Tisch, keine Stühle, aber jede Menge Wärme und Gemeinschaft. Ich schlief in einem kleinen Zimmer nebenan, das früher für Gäste zur Verfügung stand.

Bild links: © Privat Isabel Gruß | Bild rechts: © Privat Isabel Gruß

Beispiel 2: Rammang Rammang (Süd-Sulawesi – Indonesien)

Der Ort – Jurassic-Park-Feeling 

Das Besondere hier ist die Dichte der Karsttürme: steile, bewachsene Felsen stehen so nah beieinander, dass zwischen ihnen kleine Täler, Höhlen und kurze Schluchten entstehen.

Morgens liegt häufig Bodennebel in den Feldern, tagsüber spiegeln sich die Felswände im ruhigen Wasser der Kanäle, und in den Kanten der Felsen öffnen sich kleine Höhlen mit Tropfstein und kühler Luft. Ein wirklich magischer Ort. Man spricht auch von der “Halong Bucht” Indonesiens, nur deutlich weniger überlaufen. 

Bild links: © Privat Isabel Gruß | Bild Mitte: © Privat Isabel Gruß | Bild rechts: © Privat Isabel Gruß

Wie Community-based Tourismus hier gelebt wird

Die Unterkunftsstruktur besteht nur aus Homestays, die von Familien geführt werden. Nasrul war einer der Ersten und ist bis heute die erste Anlaufstelle für Nachbarn, aber auch Reisende. Die Community ist sich einig: keine großen Hotels. Boote gehören lokalen Familien, kleine Eintrittsbeiträge für Wege und Höhlen fließen in Pflege, Warungs versorgen Gäste, und Guides führen zu Höhlen.

Die Dorfbewohner*innen haben schon öfter gegen die Regierung demonstriert, damit hier keine auf Massen ausgelegte Touristenregion entsteht. Und das macht den Ort auch so besonders. Man taucht tief in das Leben und den Alltag der Menschen hier ein und erlebt die Natur wirklich sehr nahe. 

Ich durfte hier drei Tage verbringen und habe zusammen mit Nasrul und anderen Reisenden die Gegend erkundet. Eine Landschaft, wie aus einer anderen Zeit. Wir sind mit dem Boot zu verlassenen Gegenden gefahren, haben magische Sonnenuntergänge erlebt, haben uns durch alte Höhlensysteme geschlagen und viel über die Pflanzen und Tiere vor Ort gelernt. 

Bilder: © Privat Isabel Gruß 

Fazit: Fair reisen, nah dran bleiben

Community-based Tourismus ist kein Extra, sondern eine andere Logik des Reisens: Geld, Entscheidungen und Verantwortung bleiben im Ort. Was daraus entsteht, zeigen Muungoni und Rammang Rammang: kleine, stimmige Angebote; klare Absprachen; Begegnungen, die nicht nach Programm wirken – und Orte, die dadurch ruhig und lebendig bleiben.

Damit das funktioniert, braucht es wenig Glamour, aber gute Basics: Transparenz bei der Verteilung, Grenzen bei Besucherzahlen und Zeit – auf beiden Seiten. Auch als Reisende*r trägst du dazu bei: Respektiere lokale Regeln, frage nach, wohin dein Geld fließt, und nimm dir genug Zeit, um wirklich anzukommen.

Kurz: CBT macht Reisen gerechter, langsamer und sinnvoller. Wenn du das nächste Ziel wählst, such die Nähe zur Community – dann wird „abseits der Massen“ nicht nur ein Versprechen, sondern gelebte Praxis.

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Lust auf authentische Reiseerlebnisse?

Village Adventures ist ein Social Start Up und die erste Reiseplattform für authentische Reiseerlebnisse mit Fokus auf Community-Based Tourismus (CBT). Hier findet du Unterkünfte und Aktivitäten / Touren für Reisen, die dich in die lokale Kultur eintauchen lassen.

Quellen / Weitere Infos:

MDPI Artikel: Community-Based Tourism: A Catalyst for Achieving the United Nations Sustainable Development Goals One and Eight https://www.mdpi.com/2673-5768/6/1/29?

Research Gate: Enhancing Educational Strategies for Sustainable Tourism in the Geopark Area: A Case Study Geopark Maros Pangkep: https://www.researchgate.net/publication/382481160_Enhancing_Educational_Strategies_for_Sustainable_Tourism_in_the_Geopark_Area_A_Case_Study_Geopark_Maros_Pangkep

GSTC: Nepal’s Community Homestay Network

 https://www.gstc.org/nepals-community-homestay-network/

GSTC: The Criteria for Thailand’s Community-Based Tourism Development is now a GSTC-Recognized Standard: https://www.gstc.org/the-criteria-for-thailands-community-based-tourism-development-is-now-a-gstc-recognized-standard/

UNESCO: Maros Pangkep UNESCO Global Geopark: https://www.unesco.org/en/iggp/geoparks/maros-pangkep

emerald Insight: Leakages in the tourism systems: case of Zanzibar: https://www.emerald.com/tr/article-abstract/68/1/62/379779/Leakages-in-the-tourism-systems-case-of-Zanzibar

Autorin Isabel

Isabel

Hi, ich bin Isabel. Leidenschaftliche Reisende, Abenteurerin und Gründerin von Village Adventures, einer Reiseplattform mit Fokus auf community-basierten und ländlichen Tourismus abseits der üblichen Hotspots. Ich schaffe authentische Begegnungen mit Einheimischen – mit Unterkünften, Tagesausflügen und mehrtägigen Trips. Die Mission: Weg vom Massentourismus – hin zu echten Begegnungen.

Meine Idee für Village Adventures entstand übrigens genau auf Sansibar im Jahr 2023, als ich zusammen mit Ramadan im Muungoni Village Zeit verbrachte. Dort habe ich verstanden, wie viel Kraft in echten, authentischen Begegnungen steckt – und welchen Einfluss wir als Reisende haben.  Seitdem suche ich gezielt nach Initiativen und Geschichten, die berühren – und nach Wegen, wie wir Reisen fairer und sinnstiftender gestalten können.

Kathrin David Portrait Sonnenlicht Feld Köln

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Job gekündigt, Welt bereist und auf einer Mission internationales Volunteering und Reisen zu revolutionieren. Kathrin ist Kopf und Herz von give & grow. Die gesamte Geschichte und was dahinter steckt kannst du hier nachlesen.

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