Reisen ist weit mehr als nur das Abhaken von Sehenswürdigkeiten auf einer Bucket-List. Es ist die Sehnsucht nach Freiheit, nach dem Unbekannten und nach Momenten, die uns noch lange in Erinnerung bleiben. Doch während wir die Welt entdecken, hinterlassen wir Spuren – nicht nur im Sand, sondern auch im ökologischen und sozialen Gefüge unserer Reiseziele. Im Jahr 2026 stehen wir an einem Wendepunkt: Wir wissen, dass wir die Art, wie wir die Welt erkunden, verändern müssen, um die Schönheit unseres Planeten für kommende Generationen zu bewahren.
Nachhaltig zu reisen bedeutet dabei keineswegs Verzicht oder Langeweile. Im Gegenteil: Es ist eine Einladung zu mehr Qualität, tieferen Begegnungen und echten Abenteuern abseits ausgetretener Pfade. In diesem Artikel räumen wir mit dem Vorurteil auf, dass Nachhaltigkeit kompliziert sein muss. Wir zeigen dir, wie du mit bewussten Entscheidungen – von der Planung bis zur Rückkehr – einen positiven Fußabdruck hinterlässt und dabei selbst eine viel authentischere Reiseerfahrung gewinnst.
Inhalt
- Was bedeutet es überhaupt nachhaltig zu reisen?
- Warum nachhaltig reisen 2026 wichtiger ist denn je
- Planung & Anreise: Der Grundstein für deinen bewussten Urlaub
- Vor Ort: Wo dein Handeln den Unterschied macht
- Tipp 4: Community-Based Tourism (CBT) – Der Schlüssel zu fairem Reisen
- Tipp 5: Regional schlemmen – Lokale Wirtschaft gezielt stärken
- Tipp 6: Kultur-Knigge – Respekt als Basis für echte Begegnungen
- Tipp 7: Ethische Wildlife-Erlebnisse – Tierschutz ohne Kompromisse
- Tipp 8: Zero Waste auf Reisen – Plastikfrei von der Ankunft bis zum Abflug
- Wieder zu Hause: So wirkt dein Impact weiter
- Fazit: Deine Reiseentscheidungen machen 2026 den Unterschied
- Re: Travel
Was bedeutet es überhaupt nachhaltig zu reisen?
Bevor wir darüber sprechen, was es bedeutet nachhaltig zu reisen, sollten wir uns zunächst den Begriff “Nachhaltigkeit” selbst einmal ansehen. Nachhaltigkeit (auf Englisch Sustainability) ist ein vielfältig genutzter Begriff. Das hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass die eigentliche Bedeutung des Begriffs mehr und mehr vergessen wurde. Kurz gesagt bedeutet Nachhaltigkeit einen bewussten Umgang mit unseren Ressourcen, damit auch künftige Generationen eine gute Lebensgrundlage haben. 1
Um es konkreter zu machen, spricht man auch oft von den drei Säulen der Nachhaltigkeit: Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft. Dabei ist die Säule “Umwelt” oder auch die ökologische Nachhaltigkeit, die Perspektive, die oft als Synonym für Nachhaltigkeit verwendet wird. Wichtig ist aber, dass alle drei Säulen eine gleichwertige Rolle spielen. 2
Wenn wir diese drei Säulen nun auf das Thema Tourismus bzw. Reisen beziehen ergibt sich folgende Antwort auf die Frage, was es bedeutet nachhaltig zu reisen:
- Ökologische Perspektive: Schutz der Natur und Minimierung des ökologischen Fußabdrucks durch ressourcenschonendes Reisen und den Erhalt der Artenvielfalt.
- Ökonomische Perspektive: Sicherstellung, dass die Wertschöpfung direkt in der Region bleibt, um faire Löhne zu ermöglichen und lokale Wirtschaftskreisläufe zu stärken.
- Soziale Perspektive: Förderung von kulturellem Respekt, sozialer Gerechtigkeit und der aktiven Mitbestimmung der Menschen vor Ort an der touristischen Entwicklung.
Dabei geht es nicht um Perfektion, sondern darum, bewusste Entscheidungen zu treffen und kleine Veränderungen anzustoßen. In diesem Blogartikel findest du deshalb 10 konkrete Tipps, die du bei deiner nächsten Reise mitnehmen darfst.
Warum nachhaltig reisen 2026 wichtiger ist denn je
In einer Studie vom Umweltbundesamt aus 2024 gaben 48 Prozent der Befragten an, dass sie sich ökologisch verträgliche Reisen wünschen. Knapp 62 Prozent wünschten sich sogar sozial verträgliche Urlaube. Diese Ergebnisse zeigen, grundsätzlich gibt es den Wunsch danach nachhaltig(er) zu reisen. 3
Allerdings zeigen die Daten auch, dass es oft bei diesem Wunsch bleibt. Das wird deutlich an den Angaben des statistischen Bundesamts für den Flugsommer 2025. Im Zeitraum April bis Oktober 2025 sind etwa 68,5 Millionen Fluggäste ins Ausland verreist. Das sind 4,6 Prozent bzw. 3 Millionen mehr Reisende als noch 2024. 4
Um diese “Attitude-Behavior-Gap” bzw. Intentions-Verhaltens-Lücke zu schließen, ist es essentiell, auf die Gründe zu schauen, warum nachhaltiges Reisen jetzt vielleicht so wichtig ist wie noch nie. Auch hier orientieren wir uns an den 3 Säulen der Nachhaltigkeit.
Ökologische Perspektive: Von „Schonung“ zu „Regeneration“
- Dringlichkeit der Klimakrise: 2026 sind die Auswirkungen des Klimawandels in vielen Destinationen (z. B. Korallenbleiche 5 , Wassermangel 6 7 ) sichtbarer denn je. Wir müssen den ökologischen Fußabdruck drastisch senken, um diese Orte überhaupt für die Zukunft zu erhalten.
- Erhalt der Artenvielfalt: Tourismus ist oft die letzte Verteidigungslinie gegen Wilderei oder Abholzung. Wenn wir nachhaltig reisen (wie z. B. in den Mangroven von Muungoni), geben wir der Natur einen wirtschaftlichen Wert, der ihren Schutz rechtfertigt.
- Ressourcenknappheit: In einer Welt mit schrumpfenden Ressourcen ist ein verantwortungsvoller Umgang mit Wasser und Energie vor Ort kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit für das Überleben der lokalen Bevölkerung.
Ökonomische Perspektive: Resilienz statt Abhängigkeit
- Stopp des „Economic Leakage“: In vielen Regionen fließen bis zu 80 % der Einnahmen an internationale Konzerne ab. 8 9 2026 ist es entscheidend, dass wir durch Konzepte wie CBT sicherstellen, dass das Geld direkt im Dorf ankommt und dort lokale Wirtschaftskreisläufe stärkt.
- Schaffung krisensicherer Jobs: Nachhaltiger Tourismus diversifiziert die Einkommen. Er fördert lokales Handwerk und Landwirtschaft, statt nur billige Service Jobs in großen Resorts zu schaffen.
- Inflation und faire Löhne: Durch den direkten Kontakt (z. B. in Homestays) stellen wir sicher, dass Gastgeber faire Preise verlangen können, die mit den steigenden Lebenshaltungskosten mithalten.
Soziale Perspektive: Augenhöhe statt Ausbeutung
- Schutz vor Overtourism: Nach dem Reise-Boom der Vorjahre ist die Akzeptanz der Einheimischen gegenüber Touristen vielerorts gesunken. Nachhaltiges Reisen bedeutet, die sozialen Grenzen der Gemeinschaften zu respektieren, damit wir als Gäste willkommen bleiben.
- Kulturelle Identität bewahren: 2026 sehnen wir uns nach Authentizität. Nachhaltigkeit bedeutet hier, dass Kulturen nicht für Shows „inszeniert“ werden, sondern in ihrer echten Form weiter bestehen können (wie du es vielleicht schon von Bali gehört oder sogar selbst erlebt hast).
- Empowerment & Mitbestimmung: Es geht darum, wer die Regeln macht. Nachhaltiges Reisen 2026 gibt der Gemeinschaft die Macht zurück, selbst zu entscheiden, wie viel Tourismus sie möchte – das schafft Stolz und sozialen Frieden.
Planung & Anreise: Der Grundstein für deinen bewussten Urlaub
Tipp 1: Die Bahn als erste Wahl – Der Weg ist das Ziel
Mit dem Zug ans Reiseziel zu gelangen, ist eine gute Alternative zum Flugzeug oder zum Pkw. Auf 100 Kilometer werden bei der Fahrt im Schnellzug (z. B. ICE / TGV) lediglich ca. 3,6 kg CO2-Emissionen pro Person verursacht. Zum Vergleich: Für dieselbe Strecke fallen im Flugzeug im Schnitt 21,1 kg CO2 an.
Dabei kommt es natürlich sehr auf die Wahl des Reiseziels an. Generell sind viele europäische Destinationen aber wirklich gut mit dem Zug erreichbar. Bei längeren Strecken sind Nachtzüge eine gute Option. Denn hier sparst du dir nicht nur Zeit, sondern auch die Kosten für eine Hotelnacht, während der Zug dich entspannt ans Ziel bringt.
Beispielsweise kannst du von München über Nacht direkt bis nach Rom fahren – mit Zwischenstopps in Bologna und Florenz. Mit nur einem Umstieg kannst du außerdem von Köln bis nach Barcelona mit dem Zug fahren. Im Sommer gibt es oft noch zusätzliche Verbindungen an beliebte Reiseziele. Zum Beispiel von Frankfurt am Main nach Bordeaux in Südfrankreich.
Oder du fährst von Hamburg bequem nach Kopenhagen. Die besten Tipps für deinen Städetrip verraten wir dir in unserem Reisebericht Kopenhagen.

Das Schöne an der Zugreise: Du gewinnst Zeit für dich. Ob du liest, eine Runde Uno mit deinen Mitreisenden spielst oder einfach die vorbeiziehende Landschaft bewunderst – sobald du die Anreise als Teil deines Urlaubs siehst, beginnt die Erholung schon am Bahnsteig.
Die besten Zugstrecken in Europa
In unseren Blogartikel „Mit dem Zug durch Europa“ stellen wir die besten Direkt- und Nachtzugverbindungen vor und geben dir Tipps für entspanntes und günstiges Zugfahren.
Tipp 2: Slow Travel statt Kurztrip – Warum länger bleiben besser ist
Wer mehrmals im Jahr für wenige Tage in den Flieger steigt, treibt nicht nur seinen CO2-Fußabdruck in die Höhe, sondern verpasst oft das Wesentliche. Solche ‚Hektik-Trips‘ lassen uns selten die nötige Ruhe finden, um wirklich abzuschalten – dabei ist Erholung laut der Reiseanalyse 2024 eines unserer wichtigsten Urlaubsziele. 12
Die Lösung für 2026 heißt: Stay longer. Slow Travel bedeutet, sich Zeit zu nehmen, um die Seele eines Ortes wirklich zu verstehen. Wer länger an einem Ort bleibt, entkommt dem Stress der Massen, taucht tief in authentische Begegnungen ein und gibt der Natur sowie der eigenen Regeneration den Raum, den sie brauchen.
Tipps & Ideen für das langsame Reisen
In unseren Blogartikel „Slow Travel“ gehen wir tiefer auf das Thema ein und stellen 5 konkrete Slow Travel Ideen vor.
Tipp 3: Leihen statt Kaufen – Nachhaltige Ausrüstung für 2026
Gerade hochwertige Outdoor-Ausrüstung wie Trekking-Rucksäcke, Zelte oder Funktionskleidung ist oft teuer in der Anschaffung und wird im Jahr meist nur für wenige Wochen genutzt. Den Rest der Zeit verstaubt sie im Schrank. 2026 ist das Prinzip „Nutzen statt Besitzen“ die kluge Lösung. Du sparst Ressourcen und schonst gleichzeitig dein Reisebudget.
Um es direkt in die Tat umzusetzen hast du allgemein zwei Optionen:
Option 1 – Nutze dein soziales Netzwerk: Bevor du auf den „Kaufen“-Button klickst: Frag in deinem Freundeskreis, in der Familie oder im Slack-Channel auf der Arbeit. Oft schlummern dort Profi-Rucksäcke oder Camping-Kocher, die gerne verliehen werden. Das stärkt nicht nur die Gemeinschaft, sondern kostet dich meist nur ein kleines Dankeschön.
Option 2 – Nutze professionelle Mietservices: Wenn im Bekanntenkreis nichts Passendes dabei ist, gibt es mittlerweile großartige offizielle Anbieter, bei denen du Equipment in Top-Qualität einfach mieten kannst:
- Globetrotter (GlobeRent): Hier kannst du in vielen Filialen alles von Zelten bis hin zu GPS-Geräten und Kraxen für Kinder ausleihen. Ideal, um teures Equipment erst einmal zu testen.
- Decathlon: Der Sportriese hat seinen Mietservice massiv ausgebaut. In vielen Städten kannst du Zelte, Fahrräder oder SUP-Boards tageweise mieten.
- DeinGipfel: Ein spezialisierter Profi-Verleih für hochwertige Outdoor-Ausrüstung. Das Geniale: Du kannst dir Zelte, Rucksäcke oder Schlafsäcke bequem per Post nach Hause schicken lassen und nach dem Urlaub einfach zurücksenden. Ideal für alle, die Wert auf Top-Marken legen, ohne diese besitzen zu müssen.
- Lokale „Bibliotheken der Dinge“: In vielen Großstädten (z.B. Berlin, Hamburg, München) gibt es Bibliotheken, die statt Büchern Werkzeug und Reise-Ausrüstung verleihen.
Extra Tipp: Achte beim Leihen darauf, die Sachen pfleglich zu behandeln, damit sie noch viele weitere Reisen überstehen. So verlängern wir gemeinsam den Lebenszyklus unserer Ausrüstung und schonen wertvolle Ressourcen.
Vor Ort: Wo dein Handeln den Unterschied macht
Auch wenn ein großer Teil der CO2-Emissionen bereits durch die Art der An- bzw. Abreise entschieden wird, so hat dein Handeln vor Ort doch auch einen großen Einfluss darauf, welchen Impact dein Aufenthalt hat.
Für die Menschen vor Ort, aber auch für die Umwelt und die Tiere. Im nächsten Abschnitt stellen wir dir deshalb direkt fünf ganz unterschiedliche Impulse vor, um deine Reise nachhaltiger zu gestalten.
Tipp 4: Community-Based Tourism (CBT) – Der Schlüssel zu fairem Reisen
Anders als beim klassischen (Massen-)Tourismus haben die Menschen vor Ort im Community-Based Tourism (CBT) selbst die Kontrolle. Die Gemeinschaft entscheidet eigenständig über Gästezahlen, Preise und welche Projekte mit den Einnahmen gefördert werden – sei es Schulmaterial oder die lokale Infrastruktur. Das sorgt dafür, dass die Wertschöpfung nicht bei internationalen Hotelketten landet, sondern direkt bei den Familien, die dich beherbergen, bekochen oder führen. So wird dein Aufenthalt zu einer direkten Form der Unterstützung für die gesamte Region.

Bild links: © Privat Isabel Gruß | Bild rechts: © Privat Isabel Gruß
Für dich als Reisende:r bedeutet CBT ein tiefes Eintauchen in den authentischen Alltag, fernab der üblichen Touristenpfade. Ob beim gemeinsamen Kochen in einer Familienküche oder beim Erkunden von “Hidden Gems” mit lokalen Guides: Die Begegnungen finden auf Augenhöhe statt und basieren auf gegenseitigem Respekt. Halte für deine Reise 2026 gezielt Ausschau nach „Homestays“ oder lokalen Kooperativen – sie sind das Tor zu Erlebnissen, die wirklich in Erinnerung bleiben.
Der Schlüssel zu fairem Reisen
In unserem Blogartikel klären wir kurz und verständlich, was Community-based Tourism ist und warum es eine faire Alternative zum Massentourismus bietet.
Tipp 5: Regional schlemmen – Lokale Wirtschaft gezielt stärken
Extra weit gereist und dann doch bei Starbucks oder McDonald’s gelandet? Wir greifen oft zur Kette, weil das Bekannte Sicherheit gibt. Kommt dir bekannt vor? Keine Sorge, du bist nicht allein. Die wahre Seele eines Reiseziels entdeckst du allerdings meist abseits der standardisierten Menüs – dort, wo Rezepte oft über Generationen weitergegeben wurden und regionale Zutaten auf dem Teller landen.
Lokal zu essen bedeutet, die Wertschöpfungskette kurz zu halten und Familienbetriebe direkt zu unterstützen. Aber wie findest du diese authentischen Perlen? Verlass dich auf lokales Wissen: Frag in deiner Unterkunft nach dem besten „Dorf-Teller“ oder lass dir von deinem Guide zeigen, wo die Locals selbst zu Mittag essen. Ein paar Brocken in der Landessprache und ein Lächeln öffnen meist mehr Türen (und Töpfe) als jedes perfekte Englisch.
Extra-Tipp – Vegetarisch & Vegan unterwegs: Nachhaltig essen bedeutet 2026 auch, öfter mal pflanzlich zu wählen. Das ist manchmal eine Herausforderung, aber auch eine Chance für neue Entdeckungen:
- Traditionell pflanzlich: Viele authentische Gerichte sind von Haus aus vegetarisch oder vegan (denk an italienische Pasta e Ceci, griechische Fava oder orientalische Mezze). Frag gezielt nach „Fastenspeisen“ oder traditionellen Gemüsegerichten.
- Digitale Helfer: Nutze Apps wie HappyCow oder abillion, um selbst in kleineren Orten fleischlose Optionen zu finden.
- Markt-Frische: Auf lokalen Wochenmärkten findest du das beste saisonale Obst und Gemüse der Region – perfekt für ein gesundes Picknick ohne lange Lieferwege.

Bilder: © Privat Alice Gossrau
Tipp 6: Kultur-Knigge – Respekt als Basis für echte Begegnungen
Nachhaltigkeit endet nicht beim CO2-Ausstoß; sie beginnt bei der Art, wie wir unseren Mitmenschen begegnen. Ein verantwortungsvoller Gast zu sein bedeutet, sich vorab mit den Werten des Reiselandes vertraut zu machen. Das öffnet Türen zu echten, respektvollen Gesprächen.
Hier sind die wichtigsten Basics für deine Reise 2026:
- Vorbereitung ist Wertschätzung: Informiere dich kurz über die wichtigsten lokalen Sitten. In Japan ist es beispielsweise ein Zeichen von Respekt, in der U-Bahn keine laute Musik zu hören oder zu telefonieren. In vielen Kulturen ist es zudem Pflicht, die Schuhe auszuziehen, bevor man ein privates Zuhause betritt.
- Die Ethik der Linse: Menschen – und insbesondere Kinder – sind keine Fotomotive. Frage immer erst um Erlaubnis, bevor du die Kamera zückst. Ein Nein ist absolut zu respektieren. Überlege dir: Würdest du wollen, dass Fremde dich oder deine Kinder ungefragt in deinem Alltag fotografieren?
- Haltung: Zuhören statt Belehren: Wir neigen oft dazu, unsere eigenen Standards auf andere Länder zu übertragen. Sei stattdessen ein:e aktive:r Zuhörer:in. Stell Fragen, versuche die Lebensweisen zu verstehen und vermeide es, belehrend aufzutreten.
Kleine Worte, große Wirkung: „Bitte“, „Danke“ und eine Begrüßung in der Landessprache signalisieren sofort: Ich bin nicht nur hier, um zu konsumieren, sondern ich schätze euch und eure Kultur.
Tipp 7: Ethische Wildlife-Erlebnisse – Tierschutz ohne Kompromisse
Einmal im Leben mit Delfinen schwimmen oder einen Elefanten hautnah erleben – dieser Wunsch ist verständlich, doch die Realität hinter den Kulissen ist oft grausam. Wo die Nachfrage groß ist, entstehen Angebote, die das Wohl der Tiere ignorieren: Delfinen werden teils die Zähne abgefeilt, um das Verletzungsrisiko für Touristen zu senken, und Elefanten werden unter Qualen gefügig gemacht, um Menschen zu tragen.
Damit du 2026 keine Tierquälerei unterstützt, erkennst du ethische Wildlife-Erlebnisse an diesen drei Punkten:
- Kein direkter Kontakt: Seriöse Anbieter erlauben kein Reiten, Streicheln oder Füttern der Tiere. Eine respektvolle Begegnung findet immer mit ausreichend Abstand statt.
- Natürliches Verhalten statt Show: Die Tiere müssen keine Kunststücke vorführen. Der Fokus liegt darauf, sie in ihrem natürlichen Lebensraum (oder naturnahen Gehegen) bei ihrem normalen Verhalten zu beobachten.
- Transparenz und Bildung: Gute Projekte investieren in den Artenschutz und klären Besucher über die Bedrohungen der Tiere auf, statt sie nur als Fotomotiv zu inszenieren.
Sinnvolle Alternativen: Besuche lokale, zertifizierte Auffangstationen (Sanctuaries). Wenn du länger bleibst, kannst du dich dort oft sogar als Volunteer engagieren und so einen direkten Beitrag zum Tierschutz leisten.

Bild: © Privat Janine Kohls
Ethischen Tierschutz zu finden ist nicht einfach
In unseren Blogartikel „Nachhaltige Tierschutz-Projekte im Ausland finden“ geben wir dir 10 konkrete, praktische Tipps. andiee Hand, damit du gute Projekte leicht identifizieren kannst.
Tipp 8: Zero Waste auf Reisen – Plastikfrei von der Ankunft bis zum Abflug
Da ist er, der berühmte Bambusstrohhalm! Er ist längst zum Symbol für plastikfreies Reisen geworden – doch 2026 geht es um das große Ganze. Besonders in Ländern, in denen die Müllentsorgung noch in den Kinderschuhen steckt (wie zum Beispiel in Indonesien oder auf vielen Inseln der Karibik), führt der enorme Plastikverbrauch des Tourismus zu einer massiven Verschmutzung der Gewässer und Umwelt. 13
Deine Zero-Waste-Ausrüstung für den Rucksack:
- Wiederbefüllbare Trinkflasche & Wasserfilter: In Ländern ohne Trinkwasserqualität sparst du mit einem Wasserfilter hunderte Plastikflaschen ein.
- Stoffbeutel & Obstnetze: Perfekt für den Besuch auf dem lokalen Wochenmarkt oder den schnellen Einkauf im Supermarkt.
- Feste Kosmetik: Shampoo-Bits und feste Seifen sparen nicht nur Plastikverpackungen, sondern auch Gewicht und Platz im Handgepäck.
- Lunchbox & Reisebesteck: Ideal für den Snack auf der Wanderung oder das Streetfood am Abend – so vermeidest du Einweg-Boxen und Plastikgabeln.

Extra-Tipp: Hast du schon von „Take 3 For the Sea“ gehört? Die Idee ist simpel: Jedes Mal, wenn du am Strand oder in der Natur bist, nimmst du einfach drei Teile (Plastik-)Müll mit, die dort nicht hingehören. Wenn wir das alle machen, hat das einen großen Effekt. Ein kleiner Strandspaziergang wird so zum aktiven Umweltschutz.
Lust auf noch mehr Tipps?
Dann schau unbedingt in unserem Blogartikel „Nachhaltiges Reisen über den Bambusstrohhalm hinaus“ vorbei und lass dich für deine nächste Reise inspirieren.
Wieder zu Hause: So wirkt dein Impact weiter
Der Koffer ist ausgepackt, doch dein Impact geht weiter. Auch zurück im Alltag kannst du nachhaltige Wellen schlagen und dafür sorgen, dass dein Abenteuer langfristig Gutes bewirkt – für das Klima und für die Menschen vor Ort.
Tipp 9: Sichtbarkeit schaffen – Rezensionen als Orientierung für andere Reisende
Kleine, nachhaltige Projekte und lokale Familienbetriebe haben oft kein Budget für teure Werbekampagnen. Hinterlasse detaillierte Rezensionen auf Google Maps oder spezialisierten Plattformen wie HappyCow (für vegetarische/vegane Spots). Dies hilft wiederum anderen Reisenden Entscheidungen zu treffen, die die lokale Wirtschaft stärken.
Wenn du Bilder oder Berichte teilst, verzichte auf die „perfekte“ Inszenierung. Authentische Einblicke sind viel wertvoller als glattpolierte Urlaubsfotos. Nachhaltig reisen bedeutet auch, hinzusehen, wo es wehtut. Gab es trotz der Schönheit ein Müllproblem vor Ort? War die Anreise mit dem lokalen Bus herausfordernd? Indem du auch solche Aspekte thematisierst, schaffst du Bewusstsein und hilfst anderen Reisenden, sich besser vorzubereiten.
Tipp 10: Emissionen von deinen Flügen kompensieren
Nachhaltiges Reisen 2026 bedeutet vor allem eines: Realismus statt Perfektionismus. Natürlich steht die Vermeidung von Emissionen an erster Stelle, doch für Sehnsuchtsziele wie Costa Rica oder Japan gibt es schlichtweg keine Schienenverbindung – und kaum jemand hat die Zeit oder die Möglichkeit, Wochen auf einem Segelschiff zu verbringen. In diesen Fällen ist das Fliegen oft eine bewusste Entscheidung, um kulturellen Austausch und den Schutz entlegener Ökosysteme überhaupt erst zu ermöglichen.
Um die unvermeidbaren Belastungen für das Klima auszugleichen, ist die gezielte Kompensation ein wichtiges Werkzeug. Dabei geht es weniger um einen „modernen Ablasshandel“ als vielmehr um einen finanziellen Beitrag zur globalen Klimagerechtigkeit. Durch die Unterstützung zertifizierter Projekte wird an anderer Stelle CO2 eingespart oder gebunden. Wenn du wissen willst, welche Anbieter wirklich seriös arbeiten und wie du deinen Flug mit einem ehrlichen „grünen Gewissen“ ausgleichst, findest du alle Details in unserem Guide zur CO2-Kompensation beim Fliegen.
Fazit: Deine Reiseentscheidungen machen 2026 den Unterschied
Nachhaltigkeit ist kein Ziel, das man von heute auf morgen perfekt erreicht, sondern eine fortlaufende Reise. Dabei zählen auch kleine Schritte: Sei es die Entscheidung für den Nachtzug, das Abendessen im kleinen Familienbetrieb oder der respektvolle Umgang mit der Natur und den Menschen vor Ort. Im Jahr 2026 haben wir die Chance, den Tourismus gemeinsam neu zu gestalten. Weg von der reinen Konsumhaltung, hin zu einer Form des Reisens, die gibt, statt nur zu nehmen. Vielleicht ahnst du nun sogar, woher unser Name “Give & Grow” stammt.
Am Ende hast du es selbst in der Hand und kannst bewusst entscheiden, wo dein Reisebudget und deine Aufmerksamkeit tatsächlich Gutes bewirken können. Deine Reiseerlebnisse werden dadurch nicht nur nachhaltiger, sondern vor allem eins: authentischer. Und die schönsten Geschichten entstehen doch immer dort, wo wir echte Erlebnisse machen und einen Ort und die Menschen wirklich kennenlernen.

Alice
Alice hat BWL studiert und 3 Jahre lang bei einer Agentur in Köln gearbeitet. Anfang 2022 entschied sie sich für eine berufliche Neuorientierung, bei der das Thema Nachhaltigkeit ganz vorne stehen soll. Sie liebt es zu Reisen und träumt davon, mit Buckelwalen im Pazifik zu schwimmen.

Wer steckt hinter give & grow?
Job gekündigt, Welt bereist und auf einer Mission internationales Volunteering und Reisen zu revolutionieren. Kathrin ist Kopf und Herz von give & grow. Die gesamte Geschichte und was dahinter steckt kannst du hier nachlesen.
Denn auf Augenhöhe zu reisen verändert alles.
#reshapetravel
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